Lange haben wir auf das neue Flaggschiff von RIM gewartet und können dieses wundervolle Gerät nun endlich auf Herz und Nieren testen. Mit einem riesigen Launch des Gerätes bei mehr als 200 Mobilfunkanbietern weltweit ist dies einer der Größten in der Geschichte von RIM. Analog zum Bold 9900 existiert eine zweite Variante mit dem Bold 9930, die aber für unseren europäischen Markt weniger interessant sein dürfte. Dabei handelt es sich grundsätzlich um das gleiche Gerät, mit dem feinen Unterschied, dass es statt GSM die CDMA-Netzwerktechnologie verwendet.

Technische Daten

Abmessungen 115 x 66 x 10.5 mm, ca. 130g
Display 2.8″ kapazitiver Touch-Screen – VGA (640×480), 287 dpi
Keyboard beeindruckendes QWERTZ keyboard, optisches Trackpad
CPU Snapdragon MSM8260 1.2 GHz Prozessor
Speicher 768 MB RAM; 8 GB on-board Speicher,microSD slot der Speicherkarten bis zu 32 GB unterstützt
Kamera 5.0 MP Kamera, unterstützt 720p HD Videoaufnahme
Sensoren
  • Beschleunigungssensor für die Orientierung (Accelerometer),
  • Digitaler Kompass (Magnetometer)
  • Bewegungssensor (Proximity Sensor)
GPS eingebautes GPS / aGPS
Wifi Dual-Band Wi-Fi – 802.11 b/g/n bei 2.4 GHz und 802.11 a/n bei 5 GHz:
  • 9900: Tri-BandHSPA+,Quad-BandGSM/EDGE
  • 9930: Dual-BandCDMA/EV-DORev.A,Dual-BandHSPA+,Quad-Band GSM/EDGE

Bluetooth Bluetooth® 2.1+EDR UnterstützungOS BlackBerry 7 OSBatterie 1230 mAh

 

Haptik und Verarbeitung

Mir scheint, als würde ich es nicht das erste Mal erwähnen, aber auch hier muss ich noch einmal darauf eingehen: Das Bold 9900 ist mit das mit Abstand am besten verarbeitete BlackBerry, das RIM uns je geliefert hat. Nicht zuletzt durch die verbauten Materialien liegt das Gerät einfach wunderbar in der Hand. Die Rückseite hat ein gummiertes Finish erhalten und fühlt sich beinahe weich an. Umrahmt wird das gesamte Gerät von einem gebürstetem Stainless Steel Band, das einen edlen Glanz ausstrahlt. Das Display wird durch ein speziell gehärtetes Glas vor Kratzern geschützt. Auch die Tatsache, dass es sich bei dem Bold 9900 um den bisher flachsten BlackBerry handelt, trägt dazu bei, dass sich das Gerät wirklich sehr hochwertig anfühlt. Mit gerade einmal 10,5 mm Dicke muss sich RIM nicht länger vor der Konkurrenz verstecken. Im Bild könnt ihr den Vergleich zum Bold 9000 von der Seite sehen. Wenn die beiden Geräte nebeneinander liegen muss man von weitem schon genauer hinschauen um zu erkennen, dass es sich um zwei unterschiedliche BlackBerry handelt.

Bold 9000 vs. Bold 9900

Ohne Zweifel ist das Bold 9900 ein würdiger Nachfolger des 9000. Ehrlicherweise muss ich aber auch zugeben, dass mir die Akkuabdeckung des Bold 9000 immer noch ein wenig besser gefällt. Die Abdeckung beim Bold 9900 fällt etwas schmaler aus und besteht aus Glas-Komposit mit Carbon Optik. Diese ist eine Eigenentwicklung von RIM, da echtes Carbon die Übertragung von RF Signalen stören kann. Da sich die NFC Antenne des Bold in der Akkuabdeckung befindet, wäre dies also ein erheblicher Nachteil. Man gewöhnt sich an den Anblick und auch wenn ich Anfangs skeptisch war gefällt mir diese Optik mittlerweile trotzdem ganz gut.

Bold 9900 Unterseite

Wie bereits erwähnt wird das gesamte Gerät von einem gebürstetem Stainless Steel Band umgeben. Hier hat RIM ganze Arbeit geleistet. Die Standby Taste am oberen Gehäuserand, wie auch die Mediakeys und der Convenience Key auf der rechten Seite sind perfekt in das Band eingepasst und außerdem ebenfalls aus Metall. Hier gibt es eine weitere Neuerung. Der Mute Button wurde vom oberen Teil des Gehäuses nun zwischen die Laustärkebuttons verlegt um die Oberseite mit dem Standbybutton minimal zu halten. Auch auf jegliche Aufdrucke auf die einzelnen Tasten wurde hier gänzlich verzichtet. Auf der linken Seite befindet sich Bold-Typisch die 3,5mm Klinkenbuchse sowie der USB-Port. An der Unterseite wurde eine kleine Aussparung eingearbeitet in der sich zwei kleine Nieten auf jeder Seite befinden, welche für die Ladestation benutzt werden. Wir vermuten hinter der Aussparung aber noch einen anderen Hintergrund. Möglicherweise war dies nicht nur eine Designentscheidung, sondern auch eine Maßnahme um eventuelle Abschirmung durch ein geschlossenes Metallband wie bspw. beim iPhone4 zu vermeiden.

Bold 9900 Unterseite Bold 9900 Oberseite
 Bold 9900 Rechte Seite  Bold 9900 Linke Seite

Tastatur

Bold9900 Keyboard

Hier spielt der Bold neben der Verarbeitung seine zweite GROßE Stärke aus. Die Tastatur ist meiner Meinung nach das Beste am ganzen Gerät. Gegenüber dem Vorgänger Bold ist diese noch einmal um 5% vergrößert worden. Die Tasten fühlen sich an, als hätten sie eine spezielle Beschichtung erhalten. Der Druckpunkt ist nahezu perfekt und jeder Tastendruck gibt ein leicht wahrnehmbares, weiches Klicken von sich. Auf dem Bild unten könnt ihr einen weiteren Unterschied erkennen, wenn ihr genau hinschaut. Es wurde bei den einzelnen Tasten komplett auf Farbe verzichtet und das nicht nur auf der Tastatur selbst, sondern auch für die sonst Grüne und Rote Taste zum Anrufen und Auflegen. Dadurch wirkt das gesamte Layout noch aufgeräumter und ist nicht so “unruhig” wie z.B. beim Bold 9000. Bei der Form der Tasten hat sich bis auf die minimale Vergrößerung nichts getan. BlackBerry-typisch sind die Tasten dabei auf der Linken und Rechten Seite der Tastatur in die jeweilige Richtung leicht abgeschrägt was ein noch genaueres Tippen ermöglicht. Für alle die, die ihr Smartphone häufig auch zum Schreiben von längeren E-Mails benutzen, bringt der Bold in jedem Fall die optimale Hardware mit um ohne große Schwierigkeiten auch längere Texte zu schreiben. Ein Großteil dieses Reviews ist so tatsächlich auf einer Fahrt mit der S-Bahn durch Berlin entstanden :).

 Keyboards im Vergleich Bold 9000, Bold 9900, Torch 9800

Touchscreen Display

Einige werden sich vielleicht fragen: Warum braucht das BlackBerry Bold 9900 einen Touchscreen? Wofür soll dann das Trackpad da sein? Ganz einfach, das neue Betriebssystem OS7, das gegenüber dem Vorgänger OS6 noch einmal kräftig überarbeitet wurde, verlangt geradezu danach mit einem Touchscreen Gerät verwendet zu werden. Mit dem Bold gelingt hier der Spagat zwischen beiden Welten und es entsteht eine völlig neue Mischung in der Bedienung, die zuvor nur mit dem Torch Modell möglich war. Nach einer Woche Nutzung des Gerätes verhält es sich also z.B. bei mir so, dass ich den Touchscreen hauptsächlich dazu benutzte, um durch die Menüs zu navigieren oder im Browser die pinch-to-zoom Funktionalität einsetze. Nimmt man nun ein älteres BlackBerry Modell zur Hand erwischt man sich schnell dabei, wie man versucht intuitiv auf das Display zu tippen, nur um zu merken, dass es sich hier nicht um einen Touchscreen handelt. Das Display an sich bringt bei einer Auflösung von 640×480 Pixeln mit 287dpi ein wirklich wunderbar scharfes Bild mit sich. Selbst mit der Standardthelligkeitseinstellung von 70 und auch darunter kann man selbst bei sonnigem Wetter alles auf dem Display erkennen. Geschützt wird das Ganze von einem extra verstärktem Glas.

Foto- und Videoaufnahmen

Bei der Kamera kommen wir zum wunden Punkt des Bold 9900. RIM setzt hier auf die gleiche 5 MP Kamera wie im PlayBook OHNE Autofocus, sondern mit EDOF (Extended Depth of Focus). Dies war wohl eine Designentscheidung um die Dicke von 10,5mm zu erreichen. Die Kamera macht auch ohne Autofocus akzeptable Bilder, nur wenn man z.B. Text abfotografieren will wird es etwas schwierig. Davon abgesehen ist die Kamera in der Lage Videos mit 720p aufzunehmen. Ein paar schöne Vergleichsbilder hat Kevin von CrackBerry hier erstellt. Unten seht ihr ein kurzes Video, welches ich bei nicht unbedingt schönem Wetter aufgenommen habe.  Natürlich gibt es oben drauf die üblichen Aufnahmemodi wie Party, Beach, Portrait, Face Detection, Sports, etc.

Akkulaufzeit

Im Bold 9900 wurde wahrscheinlich auch aufgrund der Größe der Akku etwas verkleinert. Der Akku JM-1 kommt dabei auf eine Kapazität von 1230 mAh im Gegensatz zu dem im Bold 9700/9780 verbauten mit 1500 mAh. Zusätzlich ist dann noch der Prozessor mit 1,2 Ghz um einiges Leistungsfähiger als die seiner Vorgänger. Nun könnte man annehmen, dass die Laufzeit sich drastisch verschlechtert hat. Dem ist aber nicht so. RIM selbst gibt die Laufzeit des Bold 9900 wie folgt an:

  • GSM Gesprächszeit: bis zu 6,3 Stunden –  Standby: bis zu 12,8 Tage
  • UMTS Gesprächszeit: bis zu 5,9 Stunden – Standby: bis zu 12,8 Tage
  • Audio Playback: bis zu 50 Stunden
  • Video Playback: bis zu 7,4 Stunden

Diese Angaben sagen meiner Meinung nach relativ wenig über die tatsächlichen Laufzeiten aus. Meine Erfahrungen nach einer Woche bei teilweise wirklich sehr intensiver Nutzung des Bold fallen da etwas ernüchternd aus. Da ich mich diese Woche zumeist an Orten mit W-LAN aufgehalten habe, konnte ich die Verbindung auf 2g (GPRS/EDGE) begrenzen und so ohne große Probleme ca. 1,5 Tage mit dem Gerät arbeiten. Dabei rede ich von wirklich intensiver Nutzung mit mindestens 1 Stunde BBM+30 Minuten Browser und vielleicht zusammengefasst noch eine Stunde andere Apps und Telefonieren pro Tag. Ganz anders verhält es sich aber, wenn ich unterwegs bin, mit abgeschaltetem W-LAN und 3G. Hier wollte der Bold nach spätestens 12 Stunden frischen Saft aus der Steckdose.  Wie immer gehe ich davon aus, dass sich diese Werte mit neueren Firmware Versionen stetig verbessern werden. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir bisher die hardwareseitig mögliche W-LAN Hotspot Funktion nicht in den aktuellen Firmwares finden.

BlackBerry OS 7

Die neuen BlackBerry Modelle setzen alle auf das neue BlackBerry OS 7. Vom aussehen hat sich dabei bis auf die überarbeiteten Icons nur wenig geändert. Ursprünglich mit der Versionsnummer 6.1 versehen haben sich aber in BlackBerry OS 7 unter der Haube einige Veränderungen ergeben. Hauptsächlich geht es dabei um die Unterstützung der neuen Hardware (CPU, NFC, WLAN-Hotspot, Kompass, etc.). Aus diesem Grund wird es auch für bisherige OS6 Modelle keine Möglichkeit geben, diese auf OS7 zu updaten. Eine Neuerung die sich bereits viele mit dem neuen Interface in OS6 gewünscht haben ist nun implementiert. Die neu eingeführten “Panels” lassen sich nun auf Wunsch komplett oder nur einzeln abschalten. Durch “Liquid Graphics”, womit RIM die hardwarebeschleunigte Grafik bezeichnet, ist alles deutlich flüssiger geworden als noch bei OS6 oder gar OS5 Geräten.

BlackBerry OS 7 Panels verwalten

Verschiedenes

Telefon und Audio

Eine wichtige Funktion eines Smartphones haben wir bisher außen vor gelassen. Richtig Telefonieren. Ja das kann man auch mit dem Bold und zwar richtig gut. Der Klang ist perfekt und die Gespräche reißen nicht wie manchen Geräten der Konkurrenz ab. Auch die Freisprechfunktion funktioniert einwandfrei.  Der verbaute Lautsprecher macht für seine Größe auch einiges her kommt aber an die vom Bold 9000 nicht heran. Da die meisten von euch aber hoffentlich zum Musik hören auf Kopfhörer setzen statt die halbe Bahn mit dem eigenen Musikgeschmack zu erfreuen, dürfte das kein großes Problem sein.

Browser

Der Browser wurde unter OS 7 noch einmal kräftig aufpoliert und ermöglicht nicht zuletzt durch den 1,2 Ghz Prozessor ein völlig neues Erlebnis auf dem BlackBerry. Seiten laden schnell und auch die Navigation sowie pinch-to-zoom funktionieren flüssig und ohne Ruckeln. Überaus erstaunt war ich allerdings als ich plötzlich eingebettete HTML5 Videos von Youtube im Browser abspielen konnte. Das ganze wurde dann noch gesteigert, als ich eher aus Spaß die Wiedergabe auf 720p umstellte und das Video ohne Murren weiter abgespielt wurde. Klasse!

Youtube 720p Video im Bold 9900 Browser

SD-Kartenslot und NFC

Eine nicht so gelungene Aktion ist die Position des SD-Kartenslots. Man kann beim Bold 9900 nicht wie bei anderen Modellen die SD-Karte auswechseln ohne den Akku entfernen zu müssen, was ich etwas schade finde, auch wenn es nicht all zu häufig vor kommt. Links und Rechts von der SD-Karte könnt ihr zwei leicht hochstehende Kontakte erkennen. Über diese Kontakte wird die Verbindung zur NFC Antenne hergestellt, die sich in der Abdeckung für den Akku befindet. Ich hätte euch gerne ein Beispiel zur Verwendung von NFC gezeigt, konnte aber leider kein Gegenstück finden um das ganze zu testen. Vielleicht gibt es aber morgen bei der IFA die Gelegenheit wenigstens ein BBM pairing via NFC zu testen und für euch auf Video festzuhalten.

BlackBerry Bold Batterie und SD-Kartenslot


Hands-on Video

 

Bilder Galerie

 Verfügbarkeit

Das Bold 9900 sollte mittlerweile bei den meisten Anbietern verfügbar sein. Bei Vodafone bieten sich u.a. folgende Varianten:

Auch bei Amazon lässt sich das Gerät bereits bestellen, wird aber bisher durch den Drittanbieter notebook.de versandt.

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Bei Notebooksbilliger.de ist das Bold 9900 sogar schon ab 539 € zu haben. Zum Angebot geht es hier.

Fazit

Zusammenfassend muss ich es einfach noch einmal loswerden. Das BlackBerry Bold 9900 ist das beste BlackBerry, das RIM je gebaut haut. Es vereint für mich mit einem perfekten Zusammenspiel die beiden Welten Touchscreen und Tastatur ohne dabei in einem riesigen Gehäuse zu enden. Die Eingabe mit der Tastatur ist ein Traum und eine Erleichterung für jeden, der gerne und viel auf seinem Smartphone schreibt. Die Kamera ist trotz fehlendem Autofocus akzeptabel und die Aufnahme von 720p Videos kann man durchaus benutzen. Der Bildschirm bietet ein super scharfes Bild und so so lassen sich auch längere Mails ohne Augenschmerzen lesen. Die Verarbeitung vermittelt einem das Gefühl von einem kleinen Stückchen Luxus in der Hand. Schade ist der kleine Fail mit dem SD-Kartenslot, der mich aber nicht davon abhält, das Gerät weiter zu empfehlen. Einen weiteren Minuspunkt muss ich leider für den Akku geben. Ich hätte hier durchaus auch 1mm mehr in der Dicke für einen etwas größeren Akku in Kauf genommen. Die Laufzeit wird sich aber mit Sicherheit durch Firmwareupdates weiter verbessern. Auch dieses Review möchte ich mit meinem neuen Lieblingssatz abschließen. Ich spüre die Macht:

the RIMPIRE strikes back

Falls ihr noch Fragen habt bezüglich des Bold 9900 lasst es uns in den Kommentare oder über Twitter wissen und wir werden versuchen euch die Infos zu liefern.