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Review of: BlackBerry PRIV
Smartphone:
BlackBerry
Version:
PRIV
Price:
779€

Reviewed by:
Rating:
5
On 07/12/2015
Last modified:08/12/2015

Summary:

Als wir das erste Mal das BlackBerry PRIV auf dem Mobile World Congress im Mai dieses Jahres zu sehen bekamen, glaubte niemand wirklich daran, dass BlackBerry diesen Slider mit Android veröffentlichen würde. Doch John Chen ist dafür bekannt, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn diese aus seiner Sicht unternehmerischen Sinn ergeben. In diesem Fall geht es um die Sicherstellung der Existenz des Hardware-Geschäftsbereichs. Laut Chen lässt sich dieser nur profitabel betreiben, wenn wenigstens 5 Millionen Geräte im Jahr verkauft werden. Mit dem aktuellen Portfolio ist man weit davon entfernt. Die Hardware des Priv wurde natürlich auch mit BlackBerry 10 intern getestet. Erschienen ist es jedoch mit Android 5.1. Was kann man vom vermeintlich Besten aus beiden Welten erwarten, ist der BlackBerry 10 Spirit auf Android angekommen? Unser PRIV tritt mit dem initialen Build AAC724 an.

Anmerkung: Auch für uns ist Android eine ziemlich neue Welt, dieser Testbericht ist also besonders für mögliche BlackBerry 10 Umsteiger interessant. Gerade die Bewertung der Software blickt aus den Augen eines BlackBerry Käufers. Über Hinweise zu möglichen inkorrekten Darstellungen der Funktionsweise von Android sind wir an dieser Stelle dankbar.

Die Hardware

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Fast jede bekannte Smartphone-Marke lässt ihre Smartphones bei einem Auftragsfertiger produzieren. BlackBerry lässt das PRIV bei Wistron herstellen, einem langjährigen Partner, der sich für die Produktion von vielen vergangenen High-End Smartphones von BlackBerry verantwortlich zeichnet.
Schon beim ersten Kontakt wird die Erfahrung deutlich. Das PRIV lässt sich sehr gut in die Hand nehmen und fühlt sich sehr wertig an. Das 5,43“ große dual-curved Display führt zu einer Besitzbegierde und demonstriert gleichzeitig, in welcher Kategorie sich das BlackBerry PRIV einsortieren will. Einen Größenvergleich braucht das PRIV nicht zu scheuen. Mit 147 * 77,2 * 9,4mm besitzt es in allen Dimensionen ein ansprechendes Format für das Gebotene. Trotz des Schiebemechanismus ist es nur unwesentlicher dicker als ein Passport und gerade einmal 5mm breiter als ein Z30, gegenüber dem LEAP ist der Abstand sogar noch geringer. BlackBerry hat es mit dem PRIV geschafft, dass Gerät auch in der Horizontale nicht zu ausschweifend zu gestalteten. Vergleichbare Android-Konkurrenz muss in dieser Disziplin durchaus zurückstecken.

So viele Pixel, dass sich die Ränder biegen

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Mit einer Auflösung von 2560*1440 und der damit verbundenen Pixeldichte von 540ppi ist das Display so hochauflösend, dass man selbst bei geringster Entfernung zum Gerät mit bloßem Auge keine Pixel ausmachen kann. Das Panel selbst ist von LG und fällt unter die Kategorie der „flexible-OLEDs“, bei dem das OLED-Display auf ein biegsames Trägermaterial aufgebracht wird. Uns ist aufgefallen, dass beim Anzeigen heller Hintergründen beim Scrollen ein sehr feines Muster zu erkennen ist. Am ehesten kann man die Darstellung mit einem seidigen Coating von (TFT)-Displays vergleichen, die zum Schutz vor Spiegelungen mit einer zusätzlichen Folie mattiert werden. Der entstehende Effekt ist jedoch keineswegs störend oder auffällig. Deutlich stärker merkt man, wie das PRIV die Helligkeit anpasst, sofern man diese Option in den Einstellungen aktiviert. Stellte man bei BlackBerry 10 die Helligkeit noch nach dem Motto ’set and forget‘ ein, muss man beim PRIV immer wieder nachregeln. BlackBerry 10 hatte einen so optimal auf den Helligkeitssensor angepassten Algorithmus, dass man nie wirklich merkte, dass sich die Helligkeit des Displays ändert. Diese Zusammenspiel gelingt dem PRIV noch nicht, die Helligkeit ändert sich häufiger schlagartig von <50% auf >90%, dafür regelt das Gerät in einigen Fällen von wechselnden Umgebungen die Leuchtkraft überhaupt nicht. Unschön, es sollte allerdings mit einem Update behebbar sein.

Auf der Vorderseite wird das Display des PRIV durch einen Metallrahmen eingefasst, dieser gesamte Bereich wird durch Gorilla Glas 4 von Corning geschützt. Auch wenn die Abrundung des Displays nur sehr gering erscheint, so lässt sie sich tatsächlich beim Halten des Geräts erkennen. Neben dem BlackBerry Schriftzug, der chromglänzend wie schon beim Passport erscheint, finden sich die Annäherungs- und Helligkeitssensoren, nebst der für BlackBerry Smartphones obligatorischen Benachrichtigungs-LED. Neben dem Ausschnitt für den Ohrhörer ist im oberen Bereich die Front-Kamera mit 2 Megapixeln am leichtesten zu identifizieren. Sie wurde gegenüber dem Passport mit einem anderen Sensor versehen, der zwar noch die gleiche Auflösung bietet, dennoch an Bildqualität zugelegt haben sollte.

Der Tastatur-Slider ist zurück!

Der gesamte durch den Metallrahmen eingefasste Bereich des Displays lässt sich nun nach oben schieben und legt die verdeckte vierreihige Tastatur frei. Damit vergrößert sich die Höhe des PRIV auf 184mm. Der Schiebemechanismus selbst gleicht dem älterer BlackBerrys und will sagen: Wir können Slider. Wir haben niemanden getroffen, dem dieser Mechanismus hinsichtlich Widerstand und Gleitfähigkeit nicht gefällt, er ist schlicht optimal. Ob von der Kante unterhalb des Displays oder mit Druck auf das Display nach oben geschoben, der Slider arbeitet stets voraussehbar und zuverlässig. Die Funktionen der einzelnen freigelegten Tasten entsprechen fast vollständig denen von Q10 und Classic, mit einer kleinen Ausnahme: Die Taste 0 kann unter Android auch innerhalb von Apps für zusätzliche Funktionen benutzt werden. Im aktuellen Geräte-Portfolio von BlackBerry hat das PRIV trotz der größten Geräteabmessungen die kleinsten Tasten. Am ehesten lassen sie sich noch mit den denen des Q10 vergleichen, dessen Breite der einzelnen Tasten denen des PRIV nahe kommt, die Höhe jedoch wesentlich geringer ist. Das Design der einzelnen Tasten entspricht weitestgehend dem Design des Passport: Von der Mitte der Tastatur aus sind die Tasten in jeweils entgegengesetzte Richtung abgeschrägt, um eine klare Unterscheidung zwischen den Tasten zu ermöglichen. Zudem erheben sich die Tasten in vertikaler Richtung wie beim Passport und bieten dem Daumen beim Kontakt so eine klare Rückmeldung. Durch die vierreihige Tastatur ist es nicht notwendig, für Zahlen wie beim Passport den Touchscreen zu benutzen. Bis auf die angezeigten Wortvorschläge verdecken keine Elemente den Bildschirm. Hat man sich auf die Tastatur eingestellt, kann man auch mit ihr sehr schnell und angenehm tippen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAStörend bleibt für BlackBerry 10 Umsteiger die stets nur einsprachig zu benutzende Tastatur. Zwar kann man über ein kleines Icon die Sprache der Tastatur und damit die der Wortvorschläge und Korrekturen anpassen, dennoch bleibt dies deutlich umständlicher als unter BlackBerry 10, bei dem man bis zu drei Sprachen aktivieren und damit gleichzeitig nutzen konnte. Möglicherweise liefert BlackBerry auch hier noch ein Update nach. Wie beim Passport ist die PRIV Tastatur berührungsempfindlich, kann also für verschiedene Gesten und Aktionen wie zum Beispiel Scrollen in Texten genutzt werden. Das funktioniert unter Android erstaunlich gut. Besonders die Geste zum Löschen von Inhalten gefällt auch am PRIV. Gut gelungen sind auch die Möglichkeiten, einzelne Tasten als Shortcuts für Aktionen zu verwenden oder durch sie die von BlackBerry 10 bekannte Gerätesuche zu starten. Da uns viele von euch gefragt haben, ob die Tastatur hintergrundbeleuchtet ist, hier ein Beweisbild: Sie ist es!

Die Touchtastatur entspricht fast vollständig der von BlackBerry 10, Wortvorschläge können also ebenso durch einfach Wischgesten im Text platziert werden. Auch auf dem großen Touchdisplay tippt es sich so sehr zügig. Wir haben festgestellt, dass man für kurze Antworten oder dem Tippen von Login-Daten eher die Touchtastatur verwendet. Geht der Text über einen Satz hinaus, slidet man dagegen schnell die Hardware-Tastatur heraus.

Laut, Lauter, Privport?

Der Rest der vorderen Unterseite ist perforiert und bietet Platz für den dahinter versteckten Mono-Speaker. Dieser ist ausschließlich nach vorne gerichtet, bietet sich daher optimal für den Medienkonsum an. Zwar kann man generell keine Höchstleistungen von solchen Lautsprechern erwarten, dennoch fällt dieser Lautsprecher gegenüber dem Passport leicht zurück. Leider bieten die Löcher auch immer wieder Platz für Staub. Die Maximallautstärke ist geringer und an Volumen mangelt es ebenfalls ein wenig. Kein Wunder, denn das Passport kann auch auf Stereo-Speaker setzen. Dafür holt der Ohrhörer die wenigen verloren Prozente wieder auf. Er bietet eine exzellente Verständlichkeit und eine sehr hohe Maximallautstärke, sodass man seine Gesprächspartner auch in lauten Umgebungen gut verstehen kann. Schön zu sehen ist, dass BlackBerry in den Lieferumfang endlich ein ansprechendes Headset packt. Der in-ear Kopfhörer mit dynamischen Treibern weist zwar einen typischen Badenwannen-Frequenzgang mit Anhebungen im Bereich der Bässe und Höhen auf, wird jedoch für einen Großteil der Nutzer ausreichend sein. Damit herrscht zwischen PRIV und Passport Gleichstand in diesem Kapitel.

Ein Gehäuse (fast) allererster Güte

Blicken wir auf die Seiten des PRIV fällt neben dem versetzten Head-Phone-Jack die links platzierte Standby-Taste auf. Bisherige BlackBerry 10 Smartphones bis auf das Z3 besaßen diese an der Oberseite des Gerätes. Beim PRIV führten zweifelsohne nur ergonomische Gründe zur Neuanordnung. Hält man das Gerät locker in der Hand, würde man einfach nicht mehr die Oberseite erreichen. Auf der rechten Seite finden sich dann die bekannten Lautstärkeregler wieder, die in ihrer Mitte einen Play/Pause beheimaten. Auf der Oberseite sind die Slots für die Micro-SD und Nano-SIM eingelassen. An beide eingeschobenen Trays gelangt man, indem man sie mit dem beigelegten Werkzeug öffnet. Ein schneller Wechsel ohne dieses Werkzeug ist also nicht möglich. Die Rückseite des PRIV wird von einer hochwertig anmutenden Glasfaserstruktur im Carbon-Look dominiert. Sie gleicht der des Z30 sehr stark und besitzt ähnliche rutschfeste Eigenschaften. Auf den zweiten Blick hätte dieses Struktur dann doch ein wenig mehr Haltbarkeit vertragen. Unser PRIV hatte nach wenigen Wochen Benutzung bereits fühlbare kleinere Beschädigungen der Struktur an den Kanten. Optisch und konstruktiv stark abgesetzt macht im oberen Bereich der Rückseite die neue 18 MP Kamera auf sich aufmerksam. Rechts daneben liegt der Dual-LED-Flash.

In der Mitte der Rückseite prangt das typische BlackBerry Logo, dessen Erhebungen leicht fühlbar aus einem metallischen Material sind. Unterhalb dieses Bereichs lässt sich das Gehäuse leicht eindrücken. Im Alltag nicht störend, bei Kenntnis über die Schwachstelle dennoch unschön. Offenbar hat man auf die Verwendung von Schaumstoff oder einem ähnlichem Material verzichtet, um den Bereich zwischen Innenleben und Abdeckung stabil zu gestalten. Da eine solche Maßnahme die Gewinnmarge des PRIV nur sehr wenig getroffen hätte, ist es umso ärgerlicher, dass das Gerät beim Gehäuse seinen eigenen Anspruch damit knapp verfehlt.

Trotz des relativ hohen Gewichts von rund 190g bleibt das Gerät in jeder Situation gut handhabbar, offen wie geschlossen. Grund dafür ist eine optimale Gewichtsverteilung, bei der die untere Hälfte mit Akku und Chipsätzen den Großteil der Kräfte ausmachen, die sich der Erde entgegen sehnen. Nachdem die Tastatur zum Vorschein gelangt, hat man so nie das Gefühl, das PRIV könnte überkippen. Auch mit einer Hand kann es mit ausgezogener Tastatur entspannt halten und auch noch bis zu einer der oberen Ecken greifen, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Standesgemäße Hardware

Um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, hat BlackBerry auch im Innenleben ordentlich aufgerüstet. Nachdem im Passport erstmals für einen BlackBerry ein Quadcore verbaut ist, wird im PRIV auf den Snapdragon 808 Hexa-Core zurückgegriffen. Dieser SoC besteht aus zwei Cortex-A57 mit 1,8 Ghz und vier Cortex-A53 mit 1,44 GHz. Zudem sitzt noch die Adreno 418 GPU auf dem Silizium. Die Mischung von unterschiedlichen Kernen und Taktraten ermöglicht es in ersten Linie die Effizienz des SoC zu steigern, indem bei einfachen Aufgaben nur die A53 Kerne rechnen. Der Snapdragon 808 kann jedoch auch alle sechs Kerne parallel mit Aufgaben befüllen. Andere OEMs setzen ebenfalls relativ häufig auf den 808, der gegenüber seinem großem Bruder 810 um zwei Kerne und einige MHz beschnitten wurde. Aus Sicht der Energieeffizienz ist der 808 diesem natürlich vorzuziehen, zumal der 810 unter Last zum Drosseln auf Grund von zu hohen Temperaturen neigt. Dem SoC stehen 3GB vom recht schnellen LPDDR3 RAM zur Verfügung. Der Festspeicher ist wie beim Passport mit 32GB ausgelegt. Ausreichend viel, um darauf viele Apps aus dem Google Play Store zu installieren. Dennoch lässt sich der Speicher weiterhin durch MircoSD-Karten erweitern. Entgegen dem Festspeicher können MicroSD-Karten aktuell nicht verschlüsselt werden. BlackBerry ist sich dessen bewusst und arbeitet im Rahmen eines Softwareupdates an einer Lösung für dieses Problem. Die vollständigen technischen Spezifikationen findet ihr hier.

Kameras: Licht und Schatten

Bei den Kameras hat sich BlackBerry ebenfalls für ein umfangreiches Upgrade entscheiden. Die Frontkamera nimmt zwar weiterhin Bilder nur in 2MP auf, bekam dafür jedoch gegenüber dem Passport einen anderen Sensor. In Konsequenz rauschen diese Bilder tatsächlich etwas weniger, dennoch weisen sie weiterhin wenig Details auf. Wer auf Selfies bei gutem Licht steht, freut sich über den neuen gut funktionierenden Panorama-Modus der Frontkamera. Selfies mit der Familie macht man bei nicht so optimalem Lichtverhältnissen dennoch wohl weiterhin via „trial and error“ mit der Hauptkamera, Schade! Warum passte kein besserer 5MP-Sensor in die Renditerechnung von John Chen? Vielleicht war schon zu viel Geld in die Beschriftung der Hauptkamera geflossen, denn die wirklichen Neuerungen spielen sich auf der Rückseite ab. Bereits auf der ausladenden Einfassung der Hauptkamera lässt sich erkennen, dass Schneider Kreuznach Pate stand, um die Kameraoptik auf ein gehobenes Niveau zu bringen. Dafür setzt BlackBerry beim PRIV auf einen Phasen-AF. Dieser soll dafür sorgen, dass die Fokussierung besonders schnell erfolgen kann und leidgeplagte Passport-Nutzer mit hoher Fokussiergeschwindigkeit begeistern. Erstmals setzt BlackBerry bei den LED-Blitzlichtern auch auf zwei LEDs mit unterschiedlichen Farben. Im Zusammenhang mit einer guten Kamerasoftware können so auch bei schlechten Lichtverhältnissen ansprechende Portraits entstehen. Ob Schneider Kreuznach über die Beschriftung hinweg etwas zur Kamera beigetragen hat, lässt sich leider nicht nachvollziehen. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Aufwand hat sich gelohnt. Das PRIV fokussiert schnell und zuverlässig, Fotos rauschen bei guten Lichtverhältnissen angenehm wenig und sind sehr detailliert, wobei die Software sie nicht zu stark scharf zeichnet. Die Farbwiedergabe ist überaus natürlich. Wird die Beleuchtung schlechter, muss auch das PRIV die Empfindlichkeit des Sensors erhöhen. Obwohl die Bildqualität hier dem Passport weiterhin überlegen ist, bleibt Spielraum für Verbesserungen. Die Kamerasoftware versucht lange, das Rauschen und damit die ISO-Werte gering zu halten, muss dann jedoch bei der Verschlusszeit nach oben gehen, was für teilweise verschwommene Bilder sorgt. BlackBerry hat bereits angekündigt, im Software-Update für Dezember die Kamera bei der schlechten Lichtverhältnissen weiter optimiert zu haben. Wir sehen das Potential deutlich und glauben an eine Verbesserung durch zukünftige Updates.

Vergleichsbilder

Hier haben wir für euch jeweils das gleiche Bild mit dem PRIV, dem Passport und einem iPhone 6 aufgenommen und gegenüberstellt. Die Originale könnt ihr in der Galerie etwas weiter unten anschauen. 

Originalbilder

Testvideos

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Akku

Beim fest verbauten Akku muss das PRIV leider dem Passport um 40mAh den Vortritt lassen. Mit 3410mAh besitzt das es dennoch einen sehr großen Akku, der einige Android Konkurrenten überflügelt (S6 Edge+) oder einen Gleichstand herstellt (Z5 Premium). Das BlackBerry PRIV unterstützt den von Qualcomm aufgesetzten Standard „Quickcharge 2.0“ zum besonders schnellen Laden des Akkus. Mit einem entsprechend zertifizierten Ladegerät könnt ihr so den Akku mit bis zu 3.0A Druckbetanken. Normale Ladegeräte können das Priv mit bis zu 1.8A Laden, was für einen zügigen Ladevorgang ausreichend ist. Das mitgelieferte Ladegerät kann dagegen nur mit 1.3A laden. Bei der Akkulaufzeit haben wir durchwachsene Ergebnisse erzielen können. Je nach installierten Apps und Benutzung lässt sich die Laufzeit eines Passport erreichen. Nimmt man das Gerät dann aber doch ein wenig öfter zur Hand, schwindet die Akkuanzeige nur so dahin, sodass wir von knapp 2/3 der Laufzeit des Passport ausgehen. Geht es nach dem Energiemonitor von Android, scheint das Display schuldig am rapiden Schwund der elektrischen Energie zu sein. Ob BlackBerry hier mit einem Update nachbessern kann, bleibt fraglich.

Konnektivität

Bei drahtlosen und kabelgebundenen Schnittstellen ist sich BlackBerry insgesamt treu geblieben, hat diese jedoch an entscheidenden Stellen verbessert. So stehen euch für die WLAN-Übertragung im 5GHz ac Standard jetzt zwei MIMO-Streams zur Verfügung, im Gerät sind also zwei WLAN Antennen verbaut. Dies sorgt für Bruttodatenraten von bis zu 867Mbit/s, netto bleiben davon dann noch etwa 500Mbits übrig. Mobilfunkdaten können dank eines neuen LTE-Modems jetzt mit bis zu 300 Mbit/s empfangen werden. Auch wenn der Empfang nicht immer die Dimensionen eines sehr guten Passport erreicht, sind die erreichbaren Datenraten auch in der Praxis ausgesprochen gut. Das BlackBerry Priv beherrscht zudem alle weiteren üblichen drahtlosen Standards wie NFC und Bluetooth 4.0.
Weiterhin Bestand hat auch der Slimport-Anschluss an der Unterseite, sodass kabelgebundenes Zubehör vom Passport wiederverwendet werden kann. Eine Änderung hat sich jedoch bei der Positionierung des Kopfhöreranschlusses ergeben. Da die obere dünne Einheit des Schiebemechanismus, die das Display enthält nur nach oben verschoben wird wäre es sehr unangenehm, den Kopfhöreranschluss ebenfalls oben zu belassen. BlackBerry hat sich daher für eine Platzierung an der unteren rechten Seite entschieden.

Android auf einem BlackBerry: Die Software

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Als erstes Smartphone von BlackBerry setzt das PRIV auf Android. Dieser Paradigmenwechsel war erforderlich geworden, da die bisherigen Verkäufe der BlackBerry 10 nicht zufriedenstellend sind, um eine rentable Hardware-Geschäftseinheit zu betreiben. Mit Android versucht man nun, ehemalige Käufer von BlackBerrys zu OS 5 bis 7 Zeiten zu animieren, wieder zur Marke zurückzukehren.
BlackBerry setzt beim PRIV auf Android 5.1.1 (Lollipop). Dieses Betriebssystem ist bereits seit knapp einem Jahr auf übrigen Android Smartphones zu finden. Der CEO von BlackBerry, John Chen, sagte einmal, wenn BlackBerry Android sicher machen könnte, wäre auch ein BlackBerry mit Android möglich. Doch was bedeutet für BlackBerry nun sicher und welche Maßnahmen wurden für das PRIV ergriffen?

PRIV is for Private?

Startet man das erste Mal das PRIV, wird in der Boot-Animation deutlich, dass BlackBerry stolz auf das ist, was man mit der Absicherung von Android erreichen konnte: Ein BlackBerry Schutzschild schützt das Android-Maskottchen Bugdroid. Im Fall des PRIV muss klar zwischen Datensicherheit und Datenschutz unterschieden werden. Zwar ist das PRIV durch die Modifikationen besser gegen böswillige Angriffe geschützt, dennoch bleibt als zentraler Datensammler Google. Beim ersten Start kommt man zwar noch um die Verknüpfung eines Google Kontos herum, Apps aus dem Play-Store herunterladen und nutzen kann man dennoch nicht. Dies ist zwar auch bei BlackBerry 10 Geräten mit der BlackBerry ID der Fall, dennoch nimmt mit der Kopplung an Google-Dienste der Datenbedarf offenbar zu. Spätestens, wenn euch Google Now nach einigen Stunden mitteilt, wo ihr euer Auto geparkt habt und wie lange der nach Hause weg dauert wird einem das bewusst. Wie viele Daten ihr Google preisgebt bleibt am Ende euch selbst überlassen, denn es besteht auch die Möglichkeit gewisse Funktionen zu deaktivieren.

Interessant wird es bei der Datensicherheit und dem BlackBerry PRIV mit Android, denn hier hat BlackBerry einen Ruf zu verlieren. In hauseigenen Blog wird beschrieben was alles getan wurde um das PRIV besonders abzusichern. Das PRIV ist dabei wie vorherige BlackBerry Modelle mit dem sog. „Root of Trust“ von BlackBerry ausgestattet. Dabei wird die Hardware bereits bei der Herstellung signiert und die Schlüssel in die Hardware eingefügt. Das Prinzip des Hardware Root of Trust wird hier genauer beschrieben. Zusätzlich stellt während des Startens „Verified Boot“ sowie „Secure Bootchain“ sicher, dass sowohl die Hardware als auch das System nicht verändert wurden. Beide verwenden dabei die o.g. Schlüssel in der Hardware. BlackBerry setzt am PRIV zusätzlich auf einen eigens angepassten, gehärteten Linux Kernel mit zahlreichen Veränderungen um die Sicherheit zusätzlich zu verbessern. Standardmäßig ist außerdem der Speicher des PRIV FIPS 140-2 konform verschlüsselt. Leider gilt dies noch nicht für eine Speicherweiterung mittels microSD-Karte. Sie kann aufgrund von Softwareproblemen momentan noch nicht verschlüsselt werden. Ein Update dafür ist seitens BlackBerry aber bereits in Arbeit.

Auch wenn es nach außen zuerst so aussieht ist das BlackBerry PRIV also keineswegs einfach nur ein weiteres Android Gerät. Vor dem Release des Priv hat CEO John Chen gesagt man würde ein Android Gerät nur dann auf den Markt bringen, wenn man sich sicher sei, dass man es auch absichern könne. Mit dem Priv ist BlackBerry dies also offenbar gelungen.

DTEK by BlackBerry

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Auf dem PRIV findet sich eine von BlackBerry eigens entwickelte Anwendung zur „Überwachung“ eurer Privatsphäre. Der Name diese Anwendung lautet DTEK und kommt von „detect“. Die App soll euch dabei helfen zu erkennen, welche Anwendungen auf eure persönlichen Daten zugreifen. Zusätzlich gibt DTEK euch eine Einschätzung über den allgemeinen Sicherheitsstatus eures Gerätes die anhand einer einfachen Skala abgelesen werden kann. Dieser Status hängt z.B. von der Stärke eures Passwortes ab, ob eine Verschlüsselung aktiviert ist oder auch ob z.B. unsichere Apps installiert sind. Wird eine kritische Einstellung festgestellt, gibt DTEK euch auch Empfehlungen zur Behebung dieses Problems. Schaut man sich eine Anwendung innerhalb von DTEK im Detail an, so wird euch angezeigt, auf welche Daten diese Anwendung genau zugegriffen hat und auch in welcher Häufigkeit. Zusätzlich besteht die Möglichkeit sich benachrichtigen zu lassen, wenn diese App das nächste Mal auf diese Daten zugreift. Durch den Einsatz von Android 5.1 ist es leider bisher nicht möglich den Zugriff zu unterbinden. Das wird sich allerdings mit dem Update auf die nächste Android Version ändern. Dann wird DTEK auch in der Lage sein einzelne Zugriffe von Anwendungen zu blockieren und kann sein volles Potential ausschöpfen. DTEK ist in jedem Fall sehr interessant und macht dem Benutzer bewusst, wie oft div. Anwendungen auf die persönlichen Daten zugreifen. Im Video oben könnt ihr das Ganze live sehen.

Android: Zunächst ist alles anders

Hat man die Schritte zur Einrichtung erst einmal überwunden, sieht man, dass BlackBerry keine unsinnigen Experimente wagen wollte und ein Android installiert hat, das „stock-Android“ sehr nahe kommt. Bei den ersten Schritten der Benutzung merkt man als ehemaliger OS10 Nutzer vor allem eins: Das Handling ist vollkommen anders. Die ersten paar Tage wird man damit beschäftigt sein, sich die Gesten auszutreiben, die BlackBerry 10 so effizient gemacht haben. Android setzt stattdessen auf die dauerhafte Präsenz von Navigations-Tasten für Zurück, Homescreen und Multitasking. Das App-Panel besteht im Wesentlichen wirklich nur aus Apps, das heißt die laufenden Apps oder der Hub können nicht durch Wischgesten wie in BlackBerry 10 erreicht werden. Da das Multitasking Panel stets verborgen ist und nur bei Bedarf aufgerufen wird, erwischt man sich schnell hier 20 und mehr Apps zu platzieren. Der vorinstallierte Chrome-Browser legt dort in der Standardeinstellung auch seine Tabs ab, sodass die Darstellung schnell unübersichtlich wird. Zumindest den „alles schließen“ Button hat Google nicht vergessen. Die Zurück-Taste hat in Android mehr Gewicht als in BlackBerry 10. Zwar kann man mit ihr auch durch einzelne Menüs zurücknavigieren, schlussendlich ermöglicht sie es jedoch, Anwendungen vollständig zu schließen. Im Zweifelsfalle gelingt dies auch besser als über die Multitaskingansicht. Der Button in der Mitte bringt den Nutzer stets zurück auf den Homescreen, es sei denn, man hält kurz auf diesem Knopf und wischt dann leicht nach rechts. Google nennt dies Streichverknüpfung, BlackBerry 10-Nutzer würden Hub-Geste dazu sagen. Die Streichverknüpfung ist für Android deshalb so interessant, da sie aus jeder Anwendung heraus möglich ist.

Die Optimierungen auf Android: BlackBerry HUB

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Wenn BlackBerry 10 aus Hub, Multitasking-Ansicht und den Apps besteht, könnte man für Android diese Auswahl auf Apps und Benachrichtigungen reduzieren. Um das besser verstehen zu können, muss man wissen, wie der HUB auf Android funktioniert. War der HUB auf BlackBerry 10 noch vollständig in das Betriebssystem integriert, so ist er jetzt vor allen Dingen eine App. Dass man via Streichverknüpfung vom Home-Button den HUB erreichen kann ist da nur ein schwacher Trost, denn hier ließe sich auch jede andere App hinterlegen. E-Mail Accounts lassen sich im BlackBerry HUB zumindest beinahe wie unter BlackBerry 10 gewohnt gut verwalten. Auch die nächsten 5 Kalendereinträge lassen sich anschauen, zieht man die Liste mit den aktuellen Nachrichten weiter nach unten. Interessant ist, dass der BlackBerry HUB unter Android Funktionen besitzt, die wir so bisher nicht einmal unter BlackBerry 10 gesehen haben. Besonders interessant finden wir dabei z.B. die sog. „Snooze“ Funktion für E-Mails. Hier kann man mit einem Wisch nach rechts (je nach Konfiguration auch links) eine E-Mail verbergen und dabei definieren, wann diese wieder auftauchen soll. Dabei stehen dann verschiedene Optionen zur Verfügung. Man kann zum Einen eine Zeit definieren, nach der die E-Mail wieder auftauchen soll mit einer Erinnerung. Interessanter wird es aber, wenn man einen bestimmten Ort definiert oder ein gewisses WLAN-Netzwerk. Denkbar sind hier Szenarios wie z.B. „Diese private E-Mail erst wieder anzeigen, wenn ich zu Hause bin.“

BlackBerry HUB Android Snooze Funktion

Eine weitere tolle Option im HUB bieten die sog. Ansichten. Hier lassen sich die diversen, im HUB konfigurierten Konten je nach Wunsch zu einer Ansicht zusammenfassen. In der Standard-Ansicht die sich „BlackBerry HUB“ nennt sind alle Konten ohne jegliche Filter enthalten. Durch diese Funktion lassen sich wie in unserem Beispiel Ansichten erstellen die z.B. definieren: „Alle E-Mails  und Benachrichtigungen von Konto 1 + Konto 2 + Twitter  die ungelesen sind“.

BlackBerry HUB Android Ansichten definieren

Von Mehr- und Minderwerten

Als etwas störend haben wir die Konkurrenz zwischen dem BlackBerry HUB und den Benachrichtigungen der Apps empfunden. Unter BlackBerry 10 war der Hub auch das Notification Center, unter Android gibt es hier nun zwei Bereiche. Deaktiviert man z.B. nicht manuell die Mitteilungen für das initial eingerichtete Google-Konto erhält man die Benachrichtigungen für E-Mails dieses Kontos immer doppelt, einmal im HUB und noch einmal in der GMail App. Wechselte man unter BlackBerry 10 z.B. bei einer BBM Benachrichtigung noch direkt in den HUB um dort nachzuschauen ist es beim PRIV einfach schneller über die Benachrichtigung direkt zum BBM zu springen. Doch ist das auch effizient? Gerade zu Beginn fühlt man sich hiermit eher überfordert. Jede installierte App möchte sich mit Nachrichten in den Vordergrund bzw. die Benachrichtigungsleiste drängen, schnell wird nur noch ein Symbol angezeigt, dass mehr Benachrichtigungen vorliegen als Platz für Icons ist. Glücklicherweise kann man definieren, welche Anwendungen in diesen Bereich gelangen können und dies auch von einer Art Profil „Wichtig“ abhängig machen. Der HUB wird jedoch niemals das Notification Center ersetzen können, hier liegen die technischen Hürden zu hoch.

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„Profile“ sind aus unserer Sicht gegenüber BlackBerry 10 die Achillessehne von Android. Drei verschiedene Einstellungen stehen dabei zur Auswahl. „Bitte nicht stören“, „Wichtig“ und „Normal“. Wie zu erwarten stellt „Bitte nicht stören“ das Telefon komplett stumm und deaktiviert die LED, lässt allerdings auch keine Alarme zu. „Wichtig“ ermöglicht es, Anrufe oder Nachrichten oder auch Erinnerungen von wichtigen, also markierten Kontakten zuzulassen, oder aber auch von allen Kontakten nur Anrufe. Die Benachrichtigungs-LED bleibt dann dennoch stets aus. Sie leuchtet erst, wenn ihr „Normal“ aktiviert, dessen Klingelton- und Benachrichtigungslautstärken wie bei „Wichtig“ durch einen Slider gesteuert werden. Nur Anrufe von wichtigen Kontakten oder Benachrichtigungen, die ihr als wichtig kennzeichnet durchzulassen, ist eine sinnvolle mögliche Einstellung. Weniger schön ist es, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass wirkliche Stille herrscht, wenn „Bitte nicht stören“ Aktiviert ist. Entgegen von BlackBerry 10 gibt es kein Menü, in dem man die Benachrichtigungen mit Lautstärken und Tönen für alle Anwendungen einstellt, dies gestaltet jede App selbst. So passiert es gerade nach den ersten Installation sehr schnell, dass trotz „Wichtig“ oder „Bitte nicht Stören“ Profil eine Anwendung Töne von sich gibt. Dadurch, dass man all diese Einstellungen noch beliebig durch „Inaktivitätseinstellungen“ und diverse andere Aus- und Einschlüsse beeinflussen kann, hat man tendenziell immer alle Benachrichtigungen mit einer geringen oder keinen Lautstärke an oder verzichtet mit „Bitte nicht stören“ auf alle Benachrichtigungen. Wohl wissend, dass es nie passieren wird, wünschen wir uns hier Profile wie „Nur Telefon“, „Stumm“ (aber mit LED), „Alle aus“ (aber mit Wecker) zurück. Hier fehlt noch der BlackBerry 10 Spirit, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Natürlich kann Android aber mit anderen tollen Dingen aufwarten. Das App-Panel lässt mit Widgets recht stark erweitern, kleine Voransichten von Anwendungen bringen euch ohne einen Aufruf der App so Informationen direkt auf den Startbildschirm. Der größte Vorteil von Android ist und bleibt dann aber doch das Eco-System, also die im Google Play Store verfügbaren Anwendungen. Für jeden Geschmack und jeden denkbaren Anwendungsfall sind Apps installierbar. Für BlackBerry 10 Umsteiger wirkt sich vor allen Dingen die Verwendung der Google Play Services und die hohe Geschwindigkeit der Anwendungen aus. Manche Apps sind so erst überhaupt (z.B. Mytaxi oder Tripadvisor) oder performant nutzbar (z.B. Microsofts Office Apps oder Spotify). Dafür fallen die vorinstallierten Anwendungen ein wenig zurück. Google Photos kann bis auf die Cloud-Integration in keinen Belangen mit der Fotos App unter BlackBerry 10 mithalten. Gerade die unkomplizierte Darstellung und die integrierten Möglichkeiten zur Bearbeitung lassen Erinnerungen wach werden. Zum Glück kann der Play Store Abhilfe schaffen. Schön anzuschauen sind auch die Anzeigen im Sperrbildschirm für aktuell abgespielte Titel, sofern die Anwendung dies unterstützt. Unverständlich dabei bleibt jedoch, warum einzelne Titel sich nicht durch einen langen Druck auf die Lautstärketasten weiterschalten lassen oder beim Druck auf die mittlere Taste pausiert werden können. Dies muss von der jeweiligen App unterstützt werden.

Kontakte und Kalender

Auch die Anwendung für Kontakte und Kalender liefert BlackBerry auf dem PRIV aus. Die Anwendung für Kontakte wird Nutzern von BlackBerry 10 sehr bekannt vorkommen. Sie bietet die Möglichkeit Kontaktgruppen zu erstellen, Remote zu suchen, Favoriten zu verwalten und weitere Funktionen. Leider könnt ihr noch keine BBM Profile Kontakten zuordnen. Habt ihr das Profil „Wichtig“ aktiviert, erhaltet ihr von einem markierten Kontakt keine entsprechenden BBM-Benachrichtigungen.

Den Kalender selbst bezeichnet BlackBerry als den besten „out-of-box“ Kalender unter Android. Auch hier werden BlackBerry 10 Benutzer ein gewohntes Bild erwarten. Er bietet ähnliche Funktionen wie unter BlackBerry 10 inklusive der automatisch generierten „Ich komme später“ Meldungen falls ihr mal zu spät zu einem Meeting kommt. Der Kalender bietet ebenfalls den von mir persönlich sehr lieb gewonnen „Meeting Mode“, welcher automatisch die Stummschaltung aktiviert. Mit Hilfe der Tastatur lässt sich im Kalender z.B. zwischen der Wochen (W), Monats (M) oder Tagesansicht (D) wechseln.

In Sachen Kalender und Kontakte steht das PRIV der BlackBerry 10 Erfahrung also in nichts nach.

Productivity Tab

Eine Feinheit die BlackBerry auf dem PRIV ausliefert ist die sogenannte „Productivity Tab“. Dieser kleine Anker versteckt sich am gebogenen Rand (je nach Konfiguration links oder rechts).  Gleichzeitig ist diese Anwendung bisher neben der Akkuanzeige die einzige, welche sinnvoll den gebogenen Displayrand ausnutzt. Mit einem Wisch kann man dieses Tab öffnen und dort die neusten Nachrichten im HUB, die aktuellen Kalendereinträge, Aufgabe oder Kontakte anzeigen und dann auch zu der jeweiligen Anwendung wechseln. Wie bereits angesprochen lässt sich die Position und auch die Größe und Intensität dieses „Tabs“ in den Einstellungen angepasst werden. Wie das Live aussieht könnt ihr im Video zum HUB etwas weiter oben sehen.

Keyboard Shortcuts

BlackBerry PRIV Tastatur Shortcuts definieren

Das PRIV besitzt eine Tastatur. Was steht da näher als diese auch sinnvoll einzusetzen. Mit Hilfe der Tastatur-Shortcuts habt ihr am PRIV die verschiedensten Möglichkeiten. Jede Taste kann dabei sogar zwei Mal belegt werden. Einmal, wenn ihr die Taste nur kurz drückt und das andere Mal, wenn ihr die Taste lange drückt. Konfigurierbar sind dabei die verschiedensten Aktionen wie z.B. die Schnellwahl für Kontakte oder das Schreiben einer E-Mail.

Popup-Widgets

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Widgets unter Android sind keine Neuheit. Diese lassen sich in der Regel frei auf dem Bildschirm platzieren und dort festpinnen. Bietet eine App die Möglichkeit eines Widgets so werden unterhalb des Icons drei Punkte angezeigt. Ihr könnt dann auf dem Icon nach oben wischen und bekommt das Widget der App angezeigt. Man könnte also von einer Art „Widget-Peak-Geste“ sprechen.

Password Keeper

Wir sind besonders froh diese App von BlackBerry unter Android wiederzufinden. Bereits unter BlackBerry 10 haben wir sie intensiv genutzt. Die gewohnten Funktionen bietet die App auch hier, leider fehlt der unter BlackBerry 10 kürzlich hinzugefügte Cloud-Sync. So muss man also manuell ein Backup des Password Keepers wiederherstellen.

Picture Password

Picture Password wird auch vielen von euch BlackBerry 10 Benutzern bekannt vorkommen. Auch diese Funktion zum Entsperren eures Gerätes bietet BlackBerry auf dem PRIV an. Bei Picture Password wird ein Bild definiert und eine „versteckte Stelle“. Auf diese Stelle muss dann zum entsperren eine definierte Zahl gezogen werden. Um die ganze Geschichte abzusichern wird dabei eine Matrix von Zahlen über das von euch definierte Bild gelegt.

Fazit

Das BlackBerry Priv hat bei uns einen guten Eindruck hinterlassen. Bei der Verarbeitung hat BlackBerry beinahe alles richtig gemacht, die Rückseite hätte jedoch noch ein wenig mehr Liebe verdient gehabt. Dafür lässt sich die versteckte Tastatur toll aus dem stabilen und wertigen Gehäuse schieben. Nach einer Eingewöhnung in die neue Android-Welt empfindet man einige Dinge als kompliziert, freut sich aber über die schier endlosen Möglichkeiten durch die große App-Auswahl. BlackBerry hat mit sinnvollen Erweiterungen wie dem HUB dazu beigetragen, den Spirit von BlackBerry 10 auf das PRIV zu bringen. Ganz gelingen kann das nie, die Messlatte liegt dennoch bereits recht hoch. Die Tastaturen lassen sich sehr gut bedienen, auch die Integration von Gesten klappt hervorragend. BlackBerry sollte es jetzt noch schaffen, an der ein oder anderen Performance- und Feature-Schraube zu drehen. Die Ankündigungen für ein zukünftiges Update lassen keinen Zweifel aufkommen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Ist das erste Android-Smartphone von BlackBerry etwas für die Hartgesottenen unter uns? Das kommt darauf an, ob ihr Wert auf Apps legt. Da es heute in Googles Play Store für fast jede erdenkliche Situation eine (mitunter wirklich sinnvolle) App gibt, bekommt man unter BlackBerry 10 leider nur ansatzweise mit, was man mit einem Android-Smartphone wie dem PRIV noch alles anstellen kann. Ist man eher der Kommunikations-Powerworker und stellt damit E-Mails in den Vordergrund ist BlackBerry 10 wohl das (noch) bessere Betriebssystem. Hier ist vieles fokussierter als auf Android. Dieses agiert vielmehr nach dem Motto: Alles kann, nichts muss.

Das PRIV ist zu einer stürmischen Zeit ein cleverer Schachzug und wird viele Freunde unter BlackBerry-Rückkehrern finden. Für uns ist es nicht nur anders als bisherige BlackBerry Smartphones, es ist auch besser. Ob es allerdings 2/3 besser als ein Passport ist, um den Preis von 779€ zu rechtfertigen, ist fraglich. Wer early-adopter und verrückt nach kleinen Tastaturen ist, kauft das Gerät jetzt. Wer rational veranlagt ist, wartet 3 Monate auf Preissenkungen und Updates.

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